
|
|
|
||||||
| Entwicklung und Erprobung einer hochgenauen, echtzeitfähigen, transportablen digitalen Zenitkamera für die Lotrichtungsbestimmung (abgeschlossenes DFG-Forschungsvorhaben Se 313/21) | ||||||
|
||||||
| Kurzbeschreibung
des Projektes
Am Institut für Erdmessung wurde auf Grundlage der in früheren Jahren sehr erfolgreich eingesetzten konventionellen transportablen Zenitkamera TZK2 mit Hilfe moderner CCD Technologie das hochgenaue, feldverwendungsfähige und weitgehend automatisiertes Echtzeit-Zenitkamerasystem TZK2-D (Transportable Zenitkamera 2 - Digitalsystem) entwickelt. Auf der Grundlage der Fotografie von zenitnahen Sternen mit einem CCD-Sensor stellt das System die Lotrichtungsparameter (astronomische Breite und Länge) mit einer Genauigkeit von gegenwärtig 0.1-0.15 Bogensekunden online bereit. Mit dem System können in Verbindung mit einem GPS Empfänger Lotabweichungen für die hochgenaue lokale Geoidbestimmung oder als Beitrag für die hochauflösende lokale Schwerefeldmodellierung abgeleitet werden. Das digitale Zenitkamerasystem besteht aus zwei Hauptkomponenten. Mit der Zenitkamera werden die Lotrichtungsparameter astronomische Breite F und Länge L bestimmt. Der integrierte GPS-Receiver liefert die ellipsoidischen Koordinaten Breite j und Länge l. Die Lotabweichungskomponenten (x,h) ergeben sich als Unterschiede zwischen beiden Messungen. x = F - j
|
||||||
| Datenprozessierung
Entscheidend für die Lotrichtungsbestimmung mit einem digitalen Zenitkamerasystem ist die Verfügbarkeit einer echtzeitfähigen Auswertesoftware, die aus den digitalen Aufnahmen des zenitalen Sternfeldes unter Verwendung eines Sternkataloges als Referenz automatisch die Lotrichtungsparameter berechnet. Zur Auswertung der Zenitkameramessungen wurde am Institut für Erdmessung das Auswertesystem AURIGA (Automatic Realtime Image Processing System for Geodetic Astronomy) entwickelt. Es ermöglicht die vollautomatische Auswertung der Messdaten und bietet unterschiedliche Möglichkeiten zur Visualisierung der Messdaten und Ergebnisse. Auf einem leistungsfähigen Industrierechner dauert die Auswertung einer Zenitkameramessung in zwei Lagen zwischen 3 bis 5 Sekunden. Durch die sofortige Verfügbarkeit der Ergebnisse im Felde kann die innere Genauigkeit bestimmt werden. Für die Auswertung von Zenitkameraaufnahmen werden die Sternkataloge Tycho-2 und der United States Naval Observatory CCD Astrograph Catalogue (UCAC) verwendet. |
||||||
|
||||||
|
Anwendungen Die Lotabweichungsbestimmung mit der digitalen Zenitkamera hat ihr Hauptanwendungsgebiet in der lokalen hochpräzisen Geoidbestimmung und in der lokalen hochauflösenden Schwerefeldmodellierung. Durch den hohen Automatisierungsgrad ist es möglich, in kurzer Zeit eine größere Zahl von Lotabweichungsstationen zu beobachten. Je nach Stationsabstand und Jahreszeit sind zwischen 5 und 15 Lotabweichungsstationen pro Nacht messbar. Dies kann genutzt werden, um beispielsweise für Wasserbaumaßnahmen oder den Pipelinebau in geodätisch unerschlossenen Gebieten linienhafte Geoidprofile für die GPS-gestützte Höhenbestimmung als Ersatz des aufwändigen Nivellements bereit zu stellen. Es lassen sich aber auch für höchste Anforderungen im Anlagenbau durch dichte Anordnung der Lotabweichungspunkte (50 m) lokale Geoidverläufe hochauflösend ableiten. Die hochpräzise astrogeodätische Lotabweichungsbestimmung ist für die Geoidbestimmung in bergigen Regionen wie dem Alpenraum von großem Interesse. Im Frühjahr 2003 wurde das Zenitkamerasystem TZK2-D im Rahmen des Projektseminars Erdmessung eingesetzt. Ziel des Projektseminars war die profilhafte Bestimmung einer physikalischen Höhenbezugsfläche für die Justierung von zukünftigen linearen Teilchenbeschleunigern. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) und der Professur Geodäsie und Photogrammetrie der Bauhaus Universität Weimar durchgeführt. Im Herbst 2003 wurde das Zenitkamerasystem TZK2-D im Rahmen des Projektes CHGeo2003 in der Schweiz eingesetzt. Ein Teilziel des Projektes war die Verdichtung des astrogeodätischen Messpunktfeldes zur Verbesserung des Schweizer Geoids im Rahmen der kombinierten Geoidbestimmung. Projektpartner waren hier das Bundesamt für Landestopographie der Schweiz (swisstopo) und das Geodesy and Geodynamics Lab der ETH Zurich. Insgesamt konnte das System TZK2-D zur Messung von 35 neuen Lotabweichungssationen in der Schweiz, Liechtenstein und Italien eingesetzt werden. Die gemessenen Lotabweichungen wurden für die Berechnung des neuen Schweizer Geoidmodells CHGeo2004 (Dr. Marti, swisstopo) verwendet. Im Winter 2003 und Frühjahr 2004 wurden umfangreiche Vergleichsbeobachtungen auf dem Standort des ehemaligen Photozenitrohres (PZT) im Stadtpark Hamburg mit der Zielsetzung durchgeführt, die äußere Genauigkeit der Lotabweichungsmessungen zu ermitteln. Des Weiteren konnten Vergleichsbeobachtungen mit gravimetrischen Lotabweichungen sowie Wiederholungsmessungen auf mehreren Stationen in verschiedenen Nächten und Vergleichsmessungen mit dem digitalen Zenitkamerasystem DIADEM (ETH Zürich) durchgeführt werden. Die ermittelte äußere Genauigkeit der Lotabweichungen beträgt 0.1-0.15 Bogensekunden. Damit stellt das Zenitkamerasystem TZK2-D die Lotabweichungen hochgenau bereit. Ein hochaufgelöstes astrogeodätisches Geoidprofil konnte mit dem Zenitkamerasystem TZK2-D im Frühjahr 2004 im Testgebiet Benthe gemessen werden. In diesem Gebiet befindet sich der Benther Salzstock im Untergrund und verursacht eine deutliche Störung des lokalen Schwerefeldes. Die Analyse von 29 Lotabweichungsstationen auf einer Profillänge von 9 km zeigt ein deutliche "Vertiefung" im Geoidverlauf mit einer Amplitude von etwa 2 cm. Hier zeigt sich der gravitative Einfluss des Salzstocks, der eine geringen Dichte im Vergleich zu den umgebenden Massen aufweist. Die exemplarisch durchgeführten profilhaften Lotabweichungsmessungen konnten die hohe Sensitivität des Messsystems TZK2-D für Schwerefeldvariationen nachweisen. Weitere Nutzung des Zenitkamerasystems TZK2-D Aufbauend auf den bisher erzielten
Resultaten wird das System TZK2-D seit 2004 im Rahmen des DFG-Projektes
"Nutzung
eines operationellen transportablen hochpräzisen digitalen Zenitkamerasystems
für die hochauflösende Bestimmung und Validierung von physikalischen
Höhenbezugsflächen" (DFG Projekt Se 313/22) intensiv für
die Schwerefeldbestimmung eingesetzt.
|
||||||
| Kooperationen: | ||||||
| Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Christian Voigt Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG-Projekt Se 313/21, April 2001- April 2004 (Projektleiter Prof. Dr.-Ing. G. Seeber)
|
||||||
|
|
||||||
| aktualisiert von Christian Hirt am 01.03.2005 |
|
Institut für Erdmessung |
| Schneiderberg 50 · D-30167 Hannover · Tel.: (+49) 511 - 762 2795 · Fax.: (+49) 511 762 4006 ·email: office |
| email: webmaster |