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Projektseminar Projektseminar Geodäsie WS 2006/2007 und SS
2007 Aufbau eines Kontrollnetzes im Bodensenkungsgebiet Wunstorf
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Das 1898 in Betrieb genommene Kaliwerk Sigmundshall liegt im Ort
Bokeloh, westlich der Stadt Wunstorf. Betreiber ist die K+S KALI GmbH aus
Kassel. Die Lagerstätte des Salzstockes Bokeloh wird nach den geologischen
Großstrukturen im Niedersächsischen Becken zur Steinhuder-Meer-Linie
gerechnet. Die in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende, längliche
Salzstruktur ist etwa 12 km lang und nahe der Oberfläche im Mittel 1 km
breit. Die untere Grenze des Salzkörpers reicht bis in eine Tiefe von etwa
3 km. Zum Abbau der Lagerstätte wurden in den Salzstock drei Schächte
niedergebracht. |
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Der
Schacht Sigmundshall dient dem Personentransport und der Förderung des
Rohsalzes, während über die Schächte Kolenfeld und Weser die Zu-
und Abfuhr der Frischluft geregelt wird.
Der eigentliche Salzabbau
erfolgt zwischen zwei Hauptsohlen, die in einem vertikalen Abstand von etwa 200
m aufgefahren werden. Durch von unten nach oben fortschreitendes Sprengen der
zwischen den Sohlen stehengebliebenen Lagerteile fällt das Salz fällt
dabei bis zur unteren Hauptsohle und wird von dort über einen
Förderschacht nach übertage gefördert. Die Gesamtförderung
an Rohsalz beträgt jährlich ca. 3 Mio. Tonnen. |
| Bodenbewegungen aufgrund des Bergbaus im Gebiet Bokeloh wurden schon
lange vermutet und auch messtechnisch erfasst. Daraus resultierende Probleme
oder gar Schäden sind jedoch nicht aufgetreten. Bis 2001 waren die
Bodenbewegungen im Bereich Wunstorf vermessungstechnisch ein Thema der
Grundlagenvermessung in der Landesvermessung. Lokale Probleme bei
Katastermessungen traten erst mit der Einführung und bundesweiten
Vereinheitlichung des SAPOS®-Dienstes im Jahre 2001 auf. Bis dahin wurden
lokal RTK-Messungen mit temporären Referenzstationsempfängern
durchgeführt, bei denen keine nachbarschaftlichen Störungen in den
Punktbestimmungen auftraten. |
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Die
Definition von Qualitätsstandards für die Echtzeitvernetzung im
SAPOS®-Dienst fordert für einen optimalen Modellierungsprozess sowie
eine nutzerseitig zuverlässige und schnelle Mehrdeutigkeitslösung
eine Koordinatengenauigkeit von ± 10 mm Standardabweichung im
Bezugssystem ETRS89.
Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, dass diese hohe
relative Genauigkeit über die Grenzen eines Landes hinaus bundesweit
homogen realisiert sein muss, um insbesondere den Ansprüchen
überregionaler SAPOS®-Nutzer zu genügen. Im Bereich des
Salzabbaugebietes zeigte sich jedoch, dass diese Forderungen hier nicht
eingehalten werden konnten und insbesondere Störungen der
nachbarschaftlichen Bezüge innerhalb der Katastervermessung auftraten und
noch auftreten, für die offenbar Bodensenkungen und Bodenverschiebungen
verantwortlich sind, die aus dem Salzabbau resultieren.
Vergleiche
mehrerer Messepochen der Landesvermessung, die zwischen 1982 und 2006
durch-geführt wurden, belegen Lageänderungen von etwa 2 cm/Jahr in
Richtung des Salzstockes. Die Höhenänderungen, die aus GPS-Messungen
abgeleitet und mit Nivellement-Ergebnissen abgeglichen wurden, zeigen
Bewegungen in der gleichen Größenordnung.
Für die
Transformationen DHDN/GK < > ETRS89/UTM gilt, dass inhomogene
Landesbezugssysteme in das homogene ETRS89 zu überführen sind. Dabei
dürfen Diskontinuitäten im Festpunktfeld aufgrund von lokalen
Bodenbewegungen nicht auf unbeeinflusste Gebiete übertragen werden.
Problemgebiete müssen exakt erfasst und in der Transformation
berücksichtigt werden.
Ziel des Projektseminars ist die genaue
Erfassung und Modellierung der Punktbewegungen im Bereich des Salzstockes
Bokeloh. Es ist eine hochgenaue und verlässliche Nullmessung
durchzuführen, die als nachhaltige Referenz für zukünftige
Folgemessungen und Deformations-analysen dienen soll. Dabei sollen alle
Messmethoden, die sich im Laufe des Projektseminars als sinnvoll erweisen, zum
Einsatz kommen. Dies sind u.a. GNSS-Messungen, Nivellement, Absolut- und
Relativgravimetrie sowie der Einsatz einer digitalen
Zenitkamera.
Gegenstand des Projektseminars ist die Gesamtproblematik,
die sich mit dem Bergbau und insbesondere den daraus resultierenden
Bodenbewegungen ergibt. Dazu sollen während des Seminars folgende
Schwerpunkte in der Theorie bearbeitet werden:
- Untersuchung der geologische
Gegebenheiten,
- Ursachenforschung der
Punktbewegungen,
- Messmethoden,
Einflussgrößen,
- Erarbeitung eines
Netzentwurfes,
- Abschätzung der
erreichbaren Genauigkeiten,
- Beobachtungs- und
Auswertestrategien.
Im praktischen Teil sollen
anhand der theoretischen Vorüberlegungen die entsprechenden Messmethoden
zum Einsatz kommen. Dafür bieten sich zwei Epochenmessungen an, von denen
eine noch im Wintersemester durchgeführt werden soll. Die zweite Messung
wird im Sommer durchgeführt.
Ziel des Projektseminars ist die
eigenständige Auswertung und Interpretation der selbst durchgeführten
Messungen. Epochenvergleiche mit vorhandenen alten Messungen aus den Jahren
1982 bis 2006 sind durchzuführen. Anhand zu erwartender
Punktverschiebungen sollen Geschwindigkeiten abgeleitet und eine Modellierung
der Bewegungen unter Berücksichtigung verschiedener
Einflussgrößen entwickelt werden. |
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Betreuung: Dipl.-Ing. Rainer Heer Dipl.-Ing. Olaf Bielenberg
Empfohlene Lehrveranstaltungen:
- Korrektur- und Varianzmodelle
für GNSS,
- Geodynamik,
- Deformationsanalyse.
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